Musikinstitut Kayoko Ellebrecht Musikunterricht für Tasten- und Holzblasinstrumente
Musikinstitut Kayoko Ellebrecht Musikunterricht für Tasten- und Holzblasinstrumente

Journal - aus dem pädagogischen Alltag

Ich verdiene seit nunmehr 17 Jahren in diesem Beruf meinen Lebensunterhalt - als Musikpädigogin. 2000 fing ich mit nur zwei (!) Schülern an. Ganz schön mutig, wenn ich mal zurückblicke. Ich will nicht prahlen, aber jetzt habe ich schon viel, viel mehr Schüler, und ungefähr drei- oder vierfache Anzahl an Ex-Schülern.

Entsprechend viele verschiedenartige Schülereltern habe ich während dieser Jahre erlebt. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass ein Musikpädagoge mindestens so viel Energie für die Erziehung (sorry: Aufklärung) der Schülereltern aufwenden muss wie für die seiner Schüler. Ich weiß, die Schülereltern sind natürlich keine Spezialisten für Musik, sonst könnten sie ja ihre Kinder selbst unterrichten. Aber manchmal ist meine Geduld zu Ende, wenn ich so etwas erleben muss:

Eine Mutter meint, ich gebe ihrer Tochter zu wenig auf. Grund: Die hat immer die Hausaufgabe ganz schnell abgearbeitet, und für den Rest der Woche langweilt sie sich. Ich muss entgegnen: Kann nicht sein. Die Mutter solle doch mal kontrollieren, ob die Hausaufgabe fehlerfrei (oder fast fehlerfrei) klingt. Wenn ja, gebe ich ihr gerne mehr auf. Als Antwort darauf sagt sie mir: Ach, sie übt allein im Kinderzimmer und ich kriege wenig mit.... Also die Geschichte mit der ganz schnell geschafften Hausaufgabe und der Langeweile war frei erfunden.

15. 11. 2017

Für das Wohlgedeihen meiner beruflichen Sparte sollte ich so ein Phänomen nicht nur zu Kenntnis nehmen, sondern tiefer ergründen: Was steckt eigentlich dahinter?

Als erstes muss ich die Tatsache festhalten, dass Musik für die meisten Menschen nur ein Hobby ist, und verglichen mit Schule oder Ausbildung eine niedrigere Rangordnung hat. Andernfalls würde ja diese Mutter von mir aus das Klavier aus dem Kinderzimmer herausnehmen und ins Wohnzimmer stellen, damit sie die Hausaufgabe besser anhören kann. Oder wenigstens würde sie die Tochter mal fragen, ob sie Fortschritte macht, ob es ihr noch Spaß macht usw. Das alles spart die Mutter. Warum zeigt sie dann immer wieder ihre Überreaktion zu den Hausaufgaben, da sie doch keine Ahnung davon hat?

Das ist meines Erachtens ein gesellschaftliches Phänomen. Eltern probieren heutzutage alles Mögliche mit den Kindern aus: Musik, Reiten, Ballett, Englischkurs, Schach … und hoffen, das irgendeines davon ein „Volltreffer“ ist. Das soll natürlich früh genug geschehen, solange die Kinder jung und aufnahmefähig sind. Sie investieren viel Zeit und Geld dafür, kutschieren ihre Kinder mehrmals wöchentlich herum und bezahlen die Kursgebühren. Sie haben einen vollen Terminkalender mit diesen Dingen und finden dennoch selten die „richtige“ Freizeitbeschäftigung für ihre Kinder. Sie sind oft dadurch gestresst und frustriert.

Ich muss leider immer wieder folgendes bei den Eltern feststellen: Je weniger Beziehung sie selber zu Musik haben, desto häufiger sehen sie im Musikunterricht nur einen wirtschaftlichen Faktor. Ich kann dieses Argument anhand verschiedener Beispiele begründen, aber hier mal nur eines: Eine Mutter meckert vor sich hin, dass die Stunde des vorherigen Schülers eine Minute zu lange gedauert hat, denn diese gehört ja zu „ihrer“ Zeit. Ich hätte ihr beinahe erwidert, der Musikunterricht sei keine Meterware. Wenn ich einen Schüler kurz vor dem Stundenwechsel auffordere, eine Passage durchzuspielen, er aber unerwartet hängenbleibt und dadurch länger braucht, will ich niemals sagen: „Sofort abbrechen, der nächste wartet!“ Außerdem: Durch diese derart peinlich verteidigte Minute würde kein Schüler klüger oder besser. Ganz im Gegenteil: Ich setze solche Eltern auf meine „Black List“ wegen "mangelnder Verständnisse für künstlerische Arbeit".

Ich will natürlich nicht nur schimpfen. In anderen Beiträgen möchte ich auch von positiven Erfahrungen erzählen!

19. 11. 2017

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